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Rede der SJ – Die Falken Trier auf der Demo „Kein sicheres Land – Stoppt Abschiebungen nach Afghanistan“ am 11.02.2017

Liebe Freundinnen und Freunde,
Liebe Genossinnen und Genossen,

am 14.12.2016 startete der erste Charterflug nach Afghanistan. An Bord waren 34 Menschen, die dorthin abgeschoben wurden. Pro Asyl sieht in den Abschiebungen in die Krisenregion eine Maßnahme zur Abschreckung. Es soll klar gemacht werden: Menschen aus Afghanistan können nicht in Deutschland bleiben.

Dabei ist die Situation in dem Land keineswegs friedlich. Wie die Tagesschau berichtete, gab es im vergangenen Jahr über 11.000 zivile Opfer, Tote und Verletzte. Fast jedes dritte Opfer ist ein Kind. Mit den Abschiebungen werden Menschen in ein Gebiet zurückgezwungen, in dem islamistischer Terror und Gewalt auf der Tagesordnung stehen. Menschen, die um ihr Leben fürchten müssen, werden dorthin gebracht. Frauen, die geflohen sind, um sich der Gewalt durch ihre Ehemänner zu entziehen, Menschen, die versuchen, der Gewalt und dem Terror zu entgehen, sie alle werden ihrem Schicksal überlassen. Das geschieht also, um zu zeigen: hierher kommen lohnt sich nicht. Es gibt objektiv keine guten Gründe, Menschen aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit reinen Gewissens abzuschieben. Die Bundesregierung tut es trotzdem. Nachdem lange quer durch alle Parteien Hetze betrieben wurde, nachdem Deutsche mit Terror gedroht, diesen vorbereitet und viel zu oft auch verübt haben, nachdem der inhumane Mob auf die Barrikaden gegangen ist, nun also ein neuer Erfolg der Unmenschlichkeit, der Entmenschlichung.

Die Kinder- und Müttersterblichkeit in Afghanistan ist hoch, die medizinische Versorgung und die Versorgung mit Lebensmitteln vielfach unzureichend. Zugleich wird von familiären Strukturen berichtet, in denen besonders Frauen und Kinder von Unterdrückung und patriarchaler Autorität betroffen sind. So berichtete etwa die Berliner Morgenpost von Nadia, einer Frau, die von der Abschiebung nach Afghanistan bedroht ist. Dorthin war sie aus dem Iran geflohen, aus Angst vor Verfolgung durch ihren Ehemann. Die afghanische Polizei sah sich nicht in der Lage, sie zu schützen. Nun soll sie wieder den Familienstrukturen ausgeliefert werden, vor denen sie geflohen ist. Die Stellung der Familienväter soll nicht angetastet werden, die Verletzung männlicher Ehre zieht Gewalt nach sich.

Es steht außer Zweifel, dass auch in Deutschland Gewalt keineswegs aus den Familien verschwunden ist, dass es hier noch autoritäre Erziehungsmethoden und sexualisierte Gewalt gibt. Menschen aber in ein Land abzuschieben, in dem der Schutz noch ungleich schlechter ausgeprägt ist, kann nicht kommentarlos hingenommen werden.
Die Strukturen, in denen Kinder gewaltförmige Sozialisierung erfahren, in denen überkommene Ehrbegriffe handlungsleitend sind, reproduziert und weitergegeben werden, verhindern die Selbstentfaltung und die Ausbildung mündiger Persönlichkeiten. Die physischen und psychischen Verwüstungen an und in den Menschen, die dadurch angerichtet werden, sind verheerend. Kinder, die in autoritären Verhältnissen aufwachsen, geben diese später oft weiter. Nicht selten wird autoritäre Aggression verinnerlicht und später gegen andere ausagiert.

Es müssen Möglichkeiten einer demokratischen und gewaltfreien Erziehung geschaffen werden. Menschen und vor allem Kinder müssen vor Gewalterfahrungen geschützt werden. Sie müssen Zugang zu Bildung erhalten, nicht um die Lüge von der Chancengleichheit zu wiederholen, sondern um ihnen einen kritischen Blick auf die Welt zu ermöglichen und ihnen die Möglichkeit zu geben, mündige Individuen zu werden. Unter den Bedingungen eines Landes im Krieg ist all das noch schwerer vorzustellen als in Deutschland.
Eine Praxis gegen das Elend durch Gewalterfahrung und autoritäre Strukturen müsste die Solidarität mit den Menschen hochhalten, die sich dem entziehen, sich dagegen verhalten und entwickeln wollen. Sie muss Traumatisierungen und das Hineinzwingen in autoritäre Strukturen verhindern, in Afghanistan, in Deutschland oder wo sonst auch immer.

Freundschaft!

Rede der SJ Trier auf der Demo „Trier bleibt bunt‘“ am 17.05.2014:

auf deutsch:Falken-Rede 17.05.2014
und auf englisch: Falken-Rede (english)

Aufruf der SJ Trier zur Demonstration des Refugee Protest March am 27.05.2014 in Saarbrücken und dem Grenzübergang in Perl/Schengen:

Falken-Aufruf 27.05.2014

Rede der SJ Trier auf der Kundgebung gegen Geschichtsrevisionismus am 13.11.2014 am Trierer Rathaus:

Falken-Rede 13.11.2014

und an der Familienskulptur von Hanns Scherl:

Falken-Rede (2) 13.11.2014

Presseartikel zur Kundgebung gegen Geschichtsrevisionismus am 13.11.2014 in Trier:

Artikel im Volksfreund Trier zur Kundgebung

Rede auf der Demonstration „Trier für Alle“ am 26.01.2015

auf deutsch: Falken-Rede 26.01.2015
und auf englisch: Falken-Rede 26.01. english

Rede auf der Kundgebung des Roten 1. Mai am 01.05.2015

Falken-Rede 01.05.2015

Rede auf der Gedenkkundgebung nach den Anschlägen in Paris „Solidarität statt Angst“ am 14.11.2015

Falken-Rede 14.11.15